Der ehemalige russische Präsident Boris Jelzin war nicht der einzige Staatsmann, der dem Tüftler und Luxus-Car-
Designer Edgar Schröck sein "heiliges Blechle" anvertraute. Schröck wurde in Asien empfangen wie ein Staatsgast und war ein gefragter Interviewpartner für viele Journalisten angesagter Automotive-Fachblätter.
Angefangen hat er einst in einer kleinen Garage bis er irgendwann von Audi "freie Hand" bekam für einen Spezial-
umbau. Das Ergebnis überzeugte und so folgten bald Aufträge zum Totalumbau von A6 und A8, aber ebenso die Exklusiv-Varianten S500, S600 Pullmann als Stretch-Limo von Mercedes. Ebenso mit Fax, Telefon und Fernsehen ausgestattete G-Modelle, in denen sich gerne Journalisten durch Krisengebiete chaufieren lassen.
Als ich im Jahr 2004 Edgar Schröck
kennenlernte, war er Geschäfts-
führer und Chefdesigner von
OesterleSLR (heute Schäfer-
Oesterle). Die Produktionshalle stand voll mit Fahrzeugen, wie ich sie noch nie zuvor gesehen hatte. Pullmann Stretch, Audi A8 und viele G-Modelle. Die Ausstattungen vom Allerfeinsten: Edelholz, Fax, Satelliten-Telefon, elektronische Klapptische, Fernseher mit DVD, Kühlschränke, Bose-Radio mit Surround-Anlage, edelstes Leder, Internet und abtrennbare Fahrgastbereiche so groß wie ein Wohnzimmer. Über die Kosten und vor allem die Kunden wollte aber Edgar Schröck keine Auskunft erteilen - aus "Gründen der Integrität und Sicherheit" wie mir Edgar mit einem Schmunzeln in seiner sympathisch lockeren Art klar machte! Auf jeden Fall gab es kaum einen Luxus-Wagen ohne Panzerung. Viele davon mit der höchsten Sicherheitsklasse B6 / B7. Türen so schwer, daß ich zum Bewegen schon meine 70 Kilo Körpermasse voll zum Einsatz bringen mußte.
Im Jahre 2005 verließ Edgar Schröck die Firma und gründete "Intec Interieurtechnik GbR" mit der er weiterhin für Luxus-
Fahrzeuge der ganz besonderen Art sorgt.
Weitere interessante Informationen
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Film OesterleSLR (Einblicke in die Produktion der Traumfahrzeuge)
(TV-Bericht über Car-Hifi-Umbauten, Edelmotor-Tuning und Interieur)
gepanzertes Mercedes G-Modell mit hydraulischem Fensterheber (B6/B7) Türe Gewicht: ca. 100 kg
Sonderschutzfahrzeuge - "Panzer" auf Rädern
Seit den Anschlägen am 11.September 2001 boomt der Markt für gepanzerte Sonderschutzfahrzeuge. Experten schätzen die Produktion der mobilen Trutzburgen auf jährlich 4000 Fahrzeuge - Tendenz stark ansteigend. Nachdem Mercedes bereits 1930 eine gepanzerte Limousine für den japanischen Kaiser Hirohito ausgeliefert hatte und heute mit Versionen für E-Klasse, S-Klasse und G-Modell das breiteste Spektrum abdeckt, haben sich inzwischen auch Audi und BMW in diesem harten Nischenmarkt etabliert.
In den meisten Fällen sind nicht die Autokonzerne selbst die Hersteller der Panzerungen, sondern externe Spezialfirmen wie Edgar Schröcks Intec Interieur bei Stuttgart. Hier wird auch gleich das Interieur von Grund auf luxusveredelt. Den gewünschten Schutz bieten diese Fahrzeuge, weil sie von Grund auf verstärkt werden: So wird die Fahrgastzelle mit dicken Stahlplatten und hochfesten Kunststoffgeweben (Aramid-Stahl-Verbund und Kevlar) ausgekleidet. Konventionelle Scheiben durch bis zu vier Zentimeter dickem Panzerglas ersetzt, und gegen Sprengladungen von unten schützt ein verstärkter antimagnetischer Wagenboden. Je nach Schutzklasse schützt die Panzerung vor Beschuß durch Schnellfeuergewehren und Granatwerfer.
Beschusstests führen die bundesdeutschen Beschussämter durch und stellen dafür den Unternehmen offizielle Siegel aus. Anders verhält sich das bei Staatslimousinen: Hier obliegt dem Bundeskriminalamt die Klassifizierung der Beschussklassen, der Beschusstest, der Einkauf und die Verteilung der Sonderschutzfahrzeuge.
Beschussklassen B1 - B7 nach Waffengattungen gegliedert
Dragunov (Scharfschützengewehr)
Kaliber 7.62x54 mm HK)
Die Fahrzeuge werden in verschiedenen Widerstandklassen angeboten. Die Skala reicht von B1 bis B7. Staats- und Präsidentenlimousinen sind die am stärksten gepanzerten Fahrzeuge der Klasse B6/B7. In harten Fakten übersetzen sich die Beschussklassen so: Ein leicht gepanzertes B4-Fahrzeug (z.B. Audi A6, BMW 540i, Mercedes E320 und E430) wiedersetzt sich mechanischer Krafteinwirkung und Handfeuerwaffen bis zu Revolvermunition des Kalibers 0.44 Magnum. Eine voll gepanzerte Limousine mit dem Titel B6/B7 (Audi A8, BMW 750iL, Mercedes E430, S500L, S600L Pullmann) soll Anschläge mit Maschinenpistolen, Gewehren, Handgranaten, Sprengstoff, Molotowcocktails und einem Kaliber von 7.62x51 standhalten.
Der Aufwand für Panzerungen ist erheblich und hochpreisig. Mit Serienfahrzeugen hat dies nur noch äußerlich etwas zu tun. Ein vollgepanzerter Audi A8 (Preis des Serienmodells ca. 77000 Euro) kostet etwa 250000 Euro. Aber das ist ja noch moderat! Mercedes veranschlagt für einen voll gepanzerten S600L Pullmann etwa 600000 Euro. Ein Grund für die hohen Kosten: Mercedes, Audi und BMW produzieren weitgehend in Handarbeit nur etwa 300 bis 400 Sonderschutzfahrzeuge (B6/B7) pro Jahr.